Noch nie in der Geschichte war es so einfach und kostengünstig, hervorragend unterrichtet, beraten und gecoacht zu werden. Was früher nur wenigen vorbehalten war – ein persönlicher Lehrer, ein eigener Trainer, ein Karriere-Mentor an der Seite – steht heute praktisch jedem offen, der ein Smartphone besitzt.
Der Grund: KI-Systeme entwickeln sich zu persönlichen Begleitern, die unsere Stärken, Schwächen und Ziele kennen, sich kontinuierlich an unsere Entwicklung anpassen und uns gezielt herausfordern. Sie hören zu, geben individuelles Feedback, verlieren niemals die Geduld und stehen uns rund um die Uhr zur Verfügung.
Den Bildungsbereich wird das nachhaltig verändern. Zum Positiven! Denn es geht nicht darum, Wissen auszulagern und das eigene Hirn nicht mehr anstrengen zu müssen, sondern Fähigkeiten gezielt, situativ passend und hoch individualisiert vermittelt zu bekommen. Lernen dürfte in Zukunft deutlich mehr Spaß machen!
Die Khan Academy hat mit "Khanmigo" einen KI-Tutor entwickelt, der Schüler beim Lernen unterstützt und sich an den jeweiligen Lernfortschritt und das individuelle Lerntempo anpasst. Dabei geht es nicht nur um das Beantworten von Fragen, sondern auch um interaktive Gespräche, die das kritische Denken fördern und den Schülern helfen, komplexe Konzepte besser zu verstehen.
Noch radikaler geht die Alpha School in den USA vor: Ihre Schüler absolvieren den klassischen Lernstoff in nur zwei Stunden täglich, hochindividuell begleitet von KI-Tutoren. Und sie erzielen damit Ergebnisse, die sie unter die besten zwei Prozent aller Schüler des Landes katapultieren.
Was seit Jahrzehnten als Ideal der Bildung gilt – eine individuelle Förderung, die sich an den Bedürfnissen und dem Lernfortschritt jedes Einzelnen orientiert –, lässt sich mithilfe von KI erstmals in großem Maßstab umsetzen.
Auch in anderen Bereichen, etwa Sport und Gesundheit, übernehmen KI-Wesen zunehmend die Rolle persönlicher Coaches.
Der "WHOOP Coach" des Fitness-Tracker-Herstellers WHOOP analysiert individuelle Schlaf-, Erholungs- und Trainingsdaten, beantwortet persönliche Fragen und gibt maßgeschneiderte Empfehlungen: Wie intensiv sollte ich heute trainieren? Wie kann ich meine Schlafqualität verbessern? Wann braucht mein Körper Erholung? Der KI-Coach kennt die persönlichen Ziele und körperlichen Voraussetzungen seines Nutzers, lernt aus dessen Daten und steht ihm rund um die Uhr zur Verfügung. Ein persönlicher Trainer für jeden, nicht nur für Spitzensportler.
Aus solchen datenbasierten Assistenzsystemen könnten sich künftig KI-Coaches entwickeln, die ihre Nutzer über Jahre begleiten, ihre körperliche und mentale Entwicklung kennen und sie bei Training, Ernährung, Regeneration und einem gesünderen Lebensstil individuell unterstützen. Indem sie sich mit anderen KI-Coaches und -Anwendungen des Nutzers austauschen und ihre Erkenntnisse miteinander verknüpfen, könnten sie ihre Empfehlungen zudem bereichsübergreifend aufeinander abstimmen. So entstünde ein ganzheitliches, individuell zugeschnittenes Coaching, das weit über die Möglichkeiten einzelner Apps und menschlicher Trainer hinausgeht.
Ein weiterer Bereich, in dem uns KI-Wesen künftig fordern und fördern, ist die Karriereentwicklung. Der US-Anbieter BetterUp kombiniert menschliches Coaching mit KI-gestützten Programmen, die Mitarbeiter individuell bei ihrer beruflichen Entwicklung unterstützen. Das Angebot wird längst nicht mehr nur von Start-ups genutzt: Konzerne wie Salesforce, Google und Hilton setzen auf BetterUp.
Wer sich gezielt auf ein Bewerbungsgespräch oder einen wichtigen Auftritt vorbereiten will, kann schon heute mit KI-Trainern wie Yoodli üben. Die KI übernimmt dabei beispielsweise die Rolle eines kritischen Interviewers, stellt spontane Rückfragen und analysiert anschließend Sprechtempo, Füllwörter und Blickkontakt. So lassen sich schwierige Gesprächssituationen beliebig oft trainieren, mit individuellem Feedback und ganz ohne Lampenfieber vor einem echten Publikum.
Bildung, Gesundheit, Karriere – überall entstehen KI-Begleiter. Der technologische Fortschritt wird sie für uns immer nützlicher machen. In der virtuellen und der physischen Welt gleichermaßen.
KI-Wesen erhalten Gesichter und integrieren sich virtuell in unser soziales Umfeld. Sie werden zunehmend in der Lage sein, unsere Emotionen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. In AR/VR können sie uns zeigen, wie wir Dinge produzieren, bedienen oder reparieren.
Andere KI-Wesen erhalten einen Körper. Die Stückzahl der pro Jahr ausgelieferten humanoiden Roboter soll von 16.000 in diesem Jahr auf 26 Millionen im Jahr 2040 steigen (Berg Insight, 2026). Damit eröffnet sich eine völlig neue Dimension des persönlichen Coachings: Humanoide können uns körperliche Fähigkeiten und komplexe Handlungsabläufe unmittelbar demonstrieren, sie gemeinsam mit uns trainieren und unsere Bewegungen und Handlungen individuell korrigieren. So wird KI nicht nur zum Vermittler von Wissen, sondern auch zum persönlichen Lehrmeister für praktische Fähigkeiten.
Die entscheidende Frage wird künftig nicht mehr sein, wer sich exzellente Förderung leisten kann, sondern, wie weit wir über uns hinauswachsen können, wenn jeder Mensch seinen persönlichen Meister an der Seite hat.
